Mitholz, Dezember 2020

Bewohnerinnen und Bewohner Mitholz

 

Bundesrätin

Viola Amherd

Departementschefin VBS


Offener Brief an Bundesrätin Viola Amherd, Departementschefin VBS, zum Bundesratsentscheid

Räumung Munitionslager Mitholz


Sehr geehrte Frau Bundesrätin Amherd


Am 5. Dezember haben Sie uns bezüglich des Bundesratsentscheids zur Räumung des

Munitionslagers Mitholz informiert. Die damit verbundenen Konsequenzen - Evakuation des kompletten Dorfes, über Jahrzehnte, Zerstörung von Liegenschaften und des Dorfbildes - haben uns als Bewohner zutiefst schockiert und ein Gefühl der Hilflosigkeit ausgelöst. 


Für uns bedeutet Mitholz mehr als nur ein Zuhause. Es ist unsere Heimat, Lebensmittelpunkt, Existenz, ein Ort der Freiheit und der Zusammengehörigkeit. Mitholz ist Teil unserer Geschichte und Identität. Viele von uns Leben hier bereits seit Generationen.


2018 sagten wir ja zur Räumung der Munition, sowie kurzzeitigen Evakuierungen. Eine Evakuation von mindestens zehn Jahren stand damals noch nicht im Raum.


Obschon wir den grundsätzlichen Entscheid zur Räumung des Munitionslagers begrüssen, können wir uns nicht mit den vorliegenden Rahmenbedingungen, dem Wegzug von mindestens 10 Jahren, einverstanden erklären. Wie Sie selbst wiederholt betonen gibt es für diese Variante unzähligeoffene Fragen. Weshalb es uns umso mehr verwundert, zu einem doch relativ frühen Zeitpunkt und ohne weiteren Einbezug der Bevölkerung, mit einem so drastischen Entscheid in dieser Bestimmtheit konfrontiert zu werden.


Für uns, fehlt es an klaren Erläuterungen bezüglich der bisher bewerteten Varianten. Wir sind davon überzeugt, dass es für die aktuell angestrebte Variante der Räumung des Munitionslagers, bessere Lösungen gibt, als unser Mitholz zu einem Geisterdorf verkommen zu lassen. Wir würden nicht nur die Heimat verlieren. Jegliche Erinnerungen würden allmählich verblassen, jahrelange harte Arbeit würde zu Nichte gemacht, der Wunsch nach einem friedlichen Lebensabend genommen. Dies sind alles Bausteine, die ein Leben ausmachen - in unserem Fall nicht nur eins sondern über 170.


Wir stellen die folgenden dringlichen Forderungen an Sie und an Ihr Departement:


• Wir bitten Sie inständig, die vorliegenden Konditionen zur Räumung überarbeiten zu lassen und gemeinsam mit uns und wenn nötig externen Experten eine adäquate Lösung zu finden. Denn das ist die Basis für eine «offene, konstruktive Zusammenarbeit» und nur so können am Ende «faire und gute Lösungen» entstehen.


• Wir möchten Einblick in die geprüften Szenarien erhalten, damit wir Ihre Überlegungen

nachvollziehen und unsere Perspektive dazu einbringen können.


• Wir bitten Sie zudem, keine weiteren Schritte zu unternehmen, die eine jahrzehntelange

Dorfevakuation zur Folge haben. Durch die Katastrophe, die sich 1947 ereignete, musste die Bevölkerung bereits ein erstes Mal unverschuldet schweres Leid ertragen. Als

Departementschefin des VBS liegt es in Ihrer Hand, die Bevölkerung von Mitholz nicht ein

zweites Mal zu den Hauptleidtragenden zu machen. Stehen Sie zu Ihrem Wort und arbeiten Sie mit uns als Bevölkerung zusammen, um eine Lösung zu finden, hinter welcher nicht nur das VBS, die Politik, die Bahn, die Wirtschaft, sondern auch die Mitholzer stehen können.


Nehmen Sie unsere Stimme als Dorf ernst und nehmen sie diese nicht nur zur Kenntnis.


In Erwartung auf eine Reaktion.


Aktuelle und künftige Generationen Mitholz


Rückmeldungen und Fragen gerne an 3717mitholz@gmail.com