Mitholzer Bevölkerung fordert in einem offenen Brief an Viola Amherd weitere Abklärungen bezüglich der 10-jährigen Dorfevakuation 


Anfangs Dezember wurde die Bevölkerung von Mitholz über den Bundesratsentscheid zur Räumung des Munitionslagers Mitholz informiert. Ein Teil des Gesamtkonzepts zur Räumung des Munitionslagers beinhaltet die Evakuation der gesamten Bevölkerung über mindestens 10 Jahre. Über 60 Mitholzerinnen und Mitholzer wenden sich nun mit einem offenen Brief an Bundesrätin und VBS-Chefin Viola Amherd. Darin fordern sie eine erneute Prüfung und eine Überarbeitung der mindestens 10-jährigen Dorfevakuation als Folge der Räumung des Munitionslagers. Zudem verlangen sie Einblick in die geprüften Szenarien und wollen ihre Perspektive einbringen können.


Interessiert an konstruktiven Lösungen

Die Unterzeichnenden betonen, dass sie grundsätzlich hinter dem Entscheid zur Räumung des Munitionslagers stehen. Bereits Bundesrätin Amherd hebt in ihrer Mitteilung vom 5. Dezember hervor, dass das VBS an einer «offenen und konstruktiven Zusammenarbeit» interessiert ist, damit «faire und gute Lösungen» entstehen. Dies ist auch im Interesse der Mitholzer Bevölkerung. Sie ist jedoch überzeugt, dass sich dafür eine Lösung finden lässt, welche Mitholz nicht zu einem «Geisterdorf verkommen lässt», wie sie im offenen Brief schreibt. Durch eine Evakuation von mindestens zehn Jahren würde den 170 Personen die Heimat, ein Teil der Geschichte und Identität und nicht zuletzt eine friedliche Zukunft genommen. Mit diesen Argumenten unterstreicht der Brief die Wichtigkeit, weshalb die Bevölkerung fortwährend in die Massnahmenplanung miteinbezogen und Einblick in die geprüften Szenarien erhalten will.


Räumung des Munitionslagers

Der offene Brief ist eine Reaktion auf den Bundesbeschluss zur Räumung des Munitionslagers Mitholz, der am 5. Dezember 2020 kommuniziert wurde. Das Munitionslager wurde im 2. Weltkrieg errichtet und 1947 kam es zu einer Explosion von rund 7000 Bruttotonnen Munition, wobei 9 Personen verstarben. 2018 kam das VBS in Zusammenarbeit mit dem BAFU zum Schluss, dass das Risiko zu gross ist und das Lager geräumt werden muss. Das seither erarbeitete Gesamtkonzept sieht eine Räumung während, gemäss aktuellen Kenntnissen, 20 Jahren vor. Dabei ist für die Mitholzer Bevölkerung aktuell ein Wegzug von mindestens 10 Jahren vorgesehen. Gemäss Mitteilung von Bundesrätin Amherd vom 5. Dezember soll die Bevölkerung fortlaufend informiert und in die Planung der weiteren Massnahmen mit einbezogen werden, sodass individuelle Lösungen entstehen. Der Bundesrat wird die Räumung bis im Herbst 2022 konkret projektieren.